Elfried Plangg im Gespräch mit Norbert Mladek über seine Inszenierung von La Cenerentola.
Wenn Aschenputtel die Bühne betritt, erwartet man ein Märchen voller Glanz und Magie. Doch in der neuesten Produktion des Musiktheaters Vorarlberg in Götzis zeigt Regisseur Norbert Mladek, dass Cenerentola viel mehr ist als ein klassisches Märchen: Es ist eine Geschichte über Selbstermächtigung, innere Stärke und die Kraft, aus Chaos Ordnung zu schaffen – in einem farbenfrohen Würfelreich.
Norbert Mladek, gebürtiger Innsbrucker und bereits zum vierten Mal am Musiktheater Vorarlberg im Einsatz, inszeniert La Cenerentola mit einem besonderen Augenmerk auf Musik und Libretto gleichermaßen. „Rossini hat den Text von Jacopo Ferretti genauestens umgesetzt. Die Musik nutzt die Worte als perkussives Element – das ist faszinierend“, erklärt Mladek im Gespräch mit Chormitglied Elfriede Plangg.
Zeitlose Handlung, starke Figuren
Die Inszenierung bleibt bewusst zeitlos. Ferrettis Libretto, das das klassische Märchen verändert, überzeugt Mladek: „Bei Jacopo Ferretti lernt der Prinz Aschenputtel in ihrem eigenen Umfeld kennen – und trotzdem kommen musikalisch von Anfang an keine Zweifel über ihre Empfindungen füreinander auf.“
Die Figuren sind vielschichtig: Alidoro, der weise Erzieher des Prinzen, ersetzt die Zauberfee als leitende Kraft. Don Magnifico, der gnadenlose Stiefvater, und seine beiden eitlen Töchter bringen Tragik und Komik zugleich auf die Bühne. „Die Komik der Schwestern entsteht durch ihre Tragik – sie sehen Schönheit als alles, was zählt. Das wirkt lächerlich und tragisch zugleich“, beschreibt Mladek.
Auch die Entwicklung von Cenerentola, hier Angelina genannt, ist zentral: Ihre Arbeit mit der Asche symbolisiert den Weg aus Unterdrückung zu Selbstbestimmung und Wachstum. Die bunten Würfel auf der Bühne stehen dabei für die Vielfalt des Lebens und die Möglichkeit, das eigene „Königreich“ zu erschaffen.
Bühnenbild und Kostüme als erzählerische Elemente
Das Bühnenbild ist ein wahrer Hingucker: drehbare Würfel, mal bunt, mal schwarz-weiß, verwandeln sich und spiegeln Angelinas Entwicklung wider – vom Chaos zur Ordnung, von Unterdrückung zur Selbstverwirklichung. Die Kostüme von Nicole Wehinger unterstützen das Konzept: Farben symbolisieren Emotionen, Schwarz-Weiß Kühle und Macht.
Musik als Triebfeder
Neben der visuellen Gestaltung spielt die Musik die zentrale Rolle. Besonders Cenerentolas Lied „Una volta c’era un re“ vermittelt ihre Sehnsucht nach Anerkennung, Liebe und Zugehörigkeit. Mladek interpretiert es als Ausdruck innerer Stärke: „In jedem Menschen steckt ein König oder eine Königin – man muss ihn nur freilegen.“
Ein Opernabend voller Überraschungen
Prinz Ramiro und sein Diener Dandini liefern sich einen modernen Rollentausch, bei dem jeder seine eigene Rolle hinterfragt und so zu sich selbst findet. Der Chor spiegelt die Hofgesellschaft wider, karikiert sie und zeigt, wie unbelehrbare Figuren wie Don Magnifico und seine Töchter in ihrer Eitelkeit verharren.
Norbert Mladeks La Cenerentola verspricht einen Opernabend, der Märchenhaftes mit tiefgründiger Symbolik verbindet – ein Fest für Augen, Ohren und Herz. Wer Lust hat, das eigene innere Königreich zu entdecken, sollte sich diese Inszenierung nicht entgehen lassen.

